Lahntallauf in Marburg – 50km Ultralauf – Teil 2

Die Barfußläufer Daisy und Alex aus Ludwigshafen

Daisy die Brasilianerin und Alex der „natural runner“ kenne ich bereits aus Rodgau. Alex hat an diesem Morgen gleich den Jackpot gezogen. Er ist vor dem Start in Hundescheiße getreten. Das ist ihm an diesem Morgen aber „scheissegal“. Und wir freuen uns gemeinsam darüber, dass wir bei sonnigem Wetter an den Start.
Alex hat ja schon in Rodgau davon gesprochen, dass er seine orthopädischen Probleme in den Griff bekommen hat. Er freut sich auch darüber, dass kurz vor Kilometer 3 aus dem starken Schotterweg an einer Baustelle eine schöner sandiger Weg entstanden ist.

Teil 1 aus Marburg schon gelesen? Der ist hier

Daisy läuft barfuß zusammen mit Alex. Sie laufen jedes Wochenende einen Ultra oder einen Marathon. Upps! Ich dachte schon, ich wäre verrückt, wenn ich jeden Monat in meiner Challenge einen Ultralauf absolviere. Und dann gibt es andere noch viel, viel mehr…
Aber Vorsicht:“Des Glückes Tod ist immer der Vergleich!“

Daisy läuft auch schon seit Jahren barfuß. Es gibt ihr das Gefühl einfach frei zu sein. Der Fuß fühlt sich frei, der Körper fühlt sich frei, die ganze Daisy fült sich frei. Wouw starke Aussage.
Auf die Frage, warum ich denn nicht barfuß laufe, bleibt mir nur die Antwort, dass ich es anders gar nicht kenne. Barfuß laufen? Das sollte ich vielleicht mal ausprobieren. Dann wäre die Sache mit den Käsfüßen vielleicht auch hinfällig…

Irgendwann lässt die Kraft

Ich merke in den Runden, wie mehr und mehr die Kraft in den Beinen schwindet. Jetzt machen sich doch die fehlenden Kilometer in den Beinen bemerkbar. 14 Tage wegen Krankheit gar nicht laufen und dann die letzte Woche vor dem Lauf nochmal ein kleines Läufchen mit Bruno und Fred – 6,5 Kilometer. Am Ende der vierten Runde stelle ich mir die Frage, ob ich das wirklich durchziehe. 50 Kilometer nach 3 Wochen gar nicht laufen?
Ich fasse den Mut. Die Zeit sollte passen. Unterwegs treffe ich nochmal auf Katrin, kann aber ihrem Tritt nicht standhalten und ziehe ganz langsam weiter. Das klingt jetzt erst einmal komisch. Aber beim Ultra musst Du einfach Deinen Tritt finden und diesen laufen. Würde ich langsamer laufen, müsste ich abbremsen und wäre nicht im Flow. Schneller laufen, würde auch nur schneller die Kraft aus den Beinen ziehen.

Vielen Dank an die vielen Helferlein an der Strecke rund um Marburg

Es gibt insgesamt 3 Verpflegungsstellen auf der Strecke. Überall gibt es Wasser, Cola, Iso, Tee und sogar ein Bier für zwischendurch. Außerdem Verpflegung in verschiedenster Art und Weise. Die Stimmung ist gut und auch als es ein wenig zu regnen beginnt, lässt sich keiner trüben.
Ich bin dankbar für die vielen Helferlein, die einem auch immer wieder Mut zusprechen, was doch unheimlich anspornt auch dran zu bleiben und die Strecke komplett zu laufen.
Auch Alex und Daisy stellen sich in der letzten Runde die Frage, ob sie 50 Kilometer laufen oder auf den Marathon verkürzen. Die Helferlein an der Strecke rufen ihnen zu, dass sie für 50 Kilometer gezahlt haben, dann können sie auch 50 Kilometer laufen.
Dennoch verkürzen sie auf die Marathon Distanz, weil sie sich den Zeitdruck nach vielem hin und her rechnen nicht machen wollen.

Und dann laufe ich doch die 50 Kilometer Ultralauf

Die Sprecher am Start-/Ziel-Bereich feuern mich nochmal an und dann geht es weiter in die letzte Runde. Zwischendurch werde ich nochmal überholt von drei gut gelaunten Läufern, die sogar noch am Singen sind kurz vor Kilometer 46. An der Verpflegungsstelle kurz vor Kilometer 7 verlieren wir uns dann aber. Vielleicht haben sie zu viel gesungen oder ich will einfach nur ankommen. Kurz vor Kilometer 8 überhole ich noch zwei Läuferinnen, die auch ihre letzten Kräfte bündeln und später auch kurz nach mir ins Ziel gehen.
Marcus der Sprecher im Zielbereich hat mich schon in der letzten Runde zum Interview eingeladen. Daher hole ich bei Kilometer 9 die Kamera schon mal raus, trotz einiger Regentropfen und spreche noch ein paar Worte vor dem Zieleinlauf.
Ich merke, wie die Kraft aus dem Körper raus ist. Dennoch bin ich glücklich und zufrieden zugleich, die Strecke geschafft zu haben.

Was ist eigentlich meine Motivation?

Elli habe ich kurz vor dem Start gefragt, was sie motiviert die 50 Kilometer zu laufen und wie sie sich motiviert hält. Jetzt stelle ich mir diese Frage selbst.
Es geht mir wirklich darum einfach anzukommen.
Es sind die Menschen und die Gespräche, die mich auch immer wieder antreiben.
Es ist das laufen an sich, das mich motiviert einfach weiter zu machen.
Und natürlich wäre es in diesem Monat der letzte Tag gewesen, um weiter an meiner Challenge dran zu bleiben. Jeden Monat einen Ultra…

Teddy? Was ist eigentlich mit Teddy? Ist der schon da?

Teddy ist ja mit Leopardenkostüm und ohne Teddy gestartet. Zwischendurch hat er mal daran gezweifelt, ob er heute ins Ziel kommt. Er ist der Meinung er hätte ein paar Kilo zu viel und hat auch einen Kreuzbandriss. Das hat ihn aber nicht davon abgehalten dennoch an den Start zu gehen.
Kniebandage an und ab auf die Strecke. Die Kilos fallen ja beim laufen an sich. Starker Typ.
Nach meinem Interview mit Stadionsprecher Marcus läuft Teddy kurz nach mir ins Ziel. Er hat auf die 42 Kilometer verkürzt. Er ist so stolz und strahlt vor Freude und Zufriedenheit. Starke Leistung.

Katrin? Wo ist Katrin die Ultraläuferin?

Kur hinter Teddy läuft dann auch Katrin ins Ziel ein. Vor Freude strahlend. Sie hat ihren ersten Ultralauf gerockt.Sehr starke Leistung und an dieser Stelle nochmal Herzlichen Glückwunsch.
Es sollte wohl mit Rodgau damals einfach nicht sein. Da hat sie aufgrund ihrer Gesundheit nach 35 Kilometern abgebrochen. Gesundheit geht ja bekanntlich immer vor.
Und heute rockt sie die Bude. Überglücklich.
Der Termin hat für die gleich mehrere Anker. Und so geht der 29.02.2020 auf jeden Fall für den ersten Ultra in ihre Geschichte ein!
Starke Leistung. Jetzt heißt es weiter als Ultraläufer zu wachsen. Das Wetter bietet ja schon mal beste Bedingungen. Leichter Regen bietet eine gute Grundlage, dass aus der „kleinen“ Ultraläuferin eine große Ultraläuferin wird.

Was nehme ich von diesem Tag mit?

Es gab zahlreiche wirklich sehr gute Gespräche auf dieser Strecke. Überschattet wurde das Erlebnis davon, dass in der ersten Runde jemand kurz nach Kilometer 7 zusammenbrach und Rettungskräfte nötig waren. Das spricht für mich auf jeden Fall wirklich dafür, dass die Gesundheit immer vorgeht. Sicher kann man sich nicht für alles im Leben wappnen. Aber, wenn ich mich nicht gut fühle, dann ist es besser, einfach mal den Gang raus zu nehmen. Daher bewundere ich auch die junge Damen aus dem ersten Interview, die sich von der Gruppendynamik der anderen nicht hat beeindrucken lassen.

Mit Alex hatte ich ein längeres Gespräch in einer Runde kurz vor Kilometer 9

Es geht darum, dass wir im Prinzip bei solchen Aktivitäten niemandem eine Rechenschaft schuldig sind. Außer? Ja außer vor uns selbst vielleicht. Auch ich hätte ja heute einfach nach Runde 4 aufhören oder auf den Marathon verkürzen können. Die Zeit stand aber gut und es gab keinerlei Krämpfe. Vielleicht auch, weil ich doch ganz gut im Training vorab war und die Pause ganz gut getan hat. Die Zeit? Zeit ist ja nur eine Erfindung des Menschen. Und um Zeit ging es ja heute nicht…

Menschen sind Beziehungswesen! Es hilft in der Tat, wenn uns andere begleiten und uns Mut zu sprechen. Gemeinsam geht immer mehr. Es hat mir wirklich viel Kraft gegeben, wenn andere angefeuert haben. Irgendwann kam ein älteres Ehepaar des Wegs bei ihrem Spaziergang und ich habe sie einfach aus dem Spaß heraus angefeuert. Auf der nächsten Runde traf ich sie dann wieder. Sie haben mich wieder erkannt und finden an zu lachen.
Gleiches bei den THW Jungs kurz vor Kilometer 3. Diese waren am Grillen und es gab leckere Wurst. In der vierten Runde rief ich ihnen noch zu – im Spaß – dass ich die Wurst gerne dunkel mag.
Und was soll ich sagen? In der letzten Runde – als hätten sie auf mich gewartet – winkt mir der Junge vom Grill zu – er hat mich wohl wieder erkannt – und hob mit der Grillzange die Wurst hoch.
Die sind ja völlig verrückt dachte ich und habe mich bedankt. Eine halbe Wurst habe ich dankend angenommen. Somit war ich bestens verpflegt.

Nach dem Lauf noch duschen und Kaffee

Nach dem Zieleinlauf schnell zurück ins Stadion. Unterwegs fiel mir dann auf einmal ein, dass ich gar kein Handtuch mitgenommen habe. Das hatte ich beim Sprung ins Auto vergessen. Ich war wie immer mal wieder kurz vor knapp. Bin ich doch praktizierender Prokrastinierer – um nicht zu sagen: angewandte Aufschieberitis.
Zum Glück habe ich immer noch das eine und andere Hundehandtuch im Kofferraum. Jetzt keine Dusche. Das wäre ja schon fatal.
Wir treffen uns nach der der Dusche noch zum Abschlusskaffee und dann geht es nach Hause.
Ein sehr gelungener Abschluss des Februars. Viele Kilometer gab es ja leider nicht. Dafür sehr emotionale und bereichernde Kilometer hier in Marburg.

Vielen Dank an die vielen, freundlichen Helferlein an der Strecke

Herzlichen Dank an die vielen Helfer an der Strecke und im Hintergrund und überall. Das ist schon echt stark, was hier alles gemacht wird, damit die Läufer laufen können.
Vielen Dank an die Zuschauer, die angefeuert haben.
Herzlichen Dank an die Sprecher, die bis zum Schluss für gute Stimmung gesorgt haben.
Wir sehen uns dann voraussichtlich im Juli zum Nachtmarathon. Gleichzeitig habe ich hier schon mal weitere Termine für 2020 aufgelistet, wie es weiter gehen könnte…

Dieser junge Mann aus dem Westerwald hat unter anderem einen starken Termin zum Laufen kommuniziert – hier geht´s ab

Bleibt dran, es bleibt weiter spannend.
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Weiter geht es im März mit unserem Ersatzlauf, statt dem Marathon „Rund um den Winterstein“ – den Beitrag findest Du hier

 

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